


Heller Kajal - und die Augen strahlen!
Noch etwas ungeübt zieht Nicole R. eine weiße Linie auf den Rand ihres Lids. Dann taucht sie das Wimpernbürstchen in schwarze Mascara und tuscht alle Wimpern gleichmäßig. Sie lacht verlegen, ob der ungewohnten Tätigkeit, zwinkert mit den Augen und betrachtet ihr Werk im Spiegel. Gelungen! Tatsächlich wirkt das geschminkte Auge größer und strahlender. Gisela Steinhauer und ihr Team sowie die anderen Kursteilnehmerinnen loben sie und freuen sich mit ihr über den Erfolg.
Nicole R. ist eine von 5 Frauen mit Behinderung der Hannoverschen Werkstätten, die Ende Januar am Pilotprojekt „Kleider machen Leute – Farb- und Stilberatung für Menschen mit Behinderung“ teilgenommen haben. Hier wurde erlernt und erlebt, welche Wirkung Farben auf das Aussehen und damit auf die Ausstrahlung eines Menschen haben. Es wurde ausprobiert, welcher Stil zum eigenen Typ passt und wie das richtige Kleidungsstück unvorteilhafte Stellen „wegmogeln“ aber dafür schöne Seiten besonders hervorheben kann.
Eine Woche lang, täglich 4 Stunden, lernten die Teilnehmerinnen wer ein kühler Sommer- oder Wintertyp ist und wer eher ein warmer Frühlings- oder Herbsttyp. Welche Haarfarbe und Frisur zum eigenen Gesicht passt. Und eben das, was Nicole R. gerade unter Anleitung geübt hat: Wie unterstreicht man mit einem dezenten, unkomplizierten Tages Make-up seinen Typ.
„Uns war es wichtig, dass sich die Frauen nicht einem gesellschaftlichen Modediktat unterwerfen“ betont Marion Forstmeier, Projektleiterin der Hannoverschen Werkstätten. „So verschieden wir sind, so unterschiedlich sind unsere persönlichen Vorlieben, Möglichkeiten aber auch Einschränkungen. Dem wollten wir Rechnung tragen.“ Schließlich hat jeder Mensch etwas Schönes an sich. Wird das hervorgehoben, wirkt der ganze Mensch freundlicher und schöner. Im Beruf, im privaten Umfeld und für das eigene Selbstwertgefühl spielt das äußere Erscheinungsbild oft eine entscheidende Rolle. Diese Erkenntnis gilt auch für Menschen mit Behinderung, die es in unserer Gesellschaft meist noch etwas schwerer haben. Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben den Auftrag diese Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Darin lag auch der Ansatz für „Kleider machen Leute“.
Möglich wurde das Pilotprojekt erst durch das großzügige, von viel Herzblut und Kompetenz getragene ehrenamtliche Engagement der Farb- und Stilberaterin Gisela Steinhauer, die in Döhren ihr balance-kosmetikinstitut betreibt. Ihr ist auch zu verdanken, dass mit Gitta’s Frisörsalon und dem Optiker becker + flöge weitere Unterstützer für das Projekt gefunden werden konnten. Der freiberufliche Fotograf Carsten Bracke aus Kleefeld hielt, ebenfalls ehrenamtlich, den Vorher- und Nachherzustand bildlich fest.
Am Ende des Kurses gab es auf allen Seiten nur strahlende Gesichter und die Teilnehmerinnen waren sich alle einig: „Das hat sich gelohnt. Oft sind es nur Kleinigkeiten die man wissen muss.“ Auch Frau Steinhauer strahlte: „Dass die Frauen mit so viel Eifer und Ausdauer mitarbeiten, hat mich ein wenig überrascht, aber um so mehr gefreut. Ich würde das jederzeit wieder machen.“
Die Hannoverschen Werkstätten hoffen nun auf weitere Unterstützer damit aus dem Pilotprojekt vielleicht ein festes Kursangebot für Menschen mit Behinderung werden kann.
Information und Kontakt:
Marion Forstmeier
Tel. (0511) 5305-140




